BCC-Stellungnahme zur Neubewertung der WRTC 2026
Liebe BCC-Mitglieder, liebe Mitleser,
vor einer Woche hat das Organisationskomitee der WRTC 2026 mitgeteilt, dass Unstimmigkeiten in den Logs der WRTC-Teams das Judging Committee zu einer intensiven, weiteren Überprüfung veranlasst haben. Das führte zur Neubewertung der Endergebnisse und erheblichen Änderungen der ursprünglichen Ergebnisse, die wenige Stunden nach Contestende publiziert wurden.
Erstplatzierte sind Manfred, DJ5MW und Uli, DM5EE. Sie bildeten das Team EU #3 unter dem Call MB5O. An dieser Stelle nochmals einen herzlichen Glückwunsch an die in jeder Hinsicht verdienten Sieger!
Leider hat manche Medaille auch eine negative Kehrseite. Die Überprüfung und anschließende Neuberechnung der Ergebnisliste führten zur Disqualifikation von vier Teams.
Worin liegt das Fehlverhalten? Drei der vier Teams haben sich zu Beginn des Contests zu erkennen gegeben:
Es wurden vor dem Wettbewerb mit OMs Absprachen getroffen, auf einer zuvor festgelegten Frequenz CQ zu rufen, die exakt bis zum CQ-Ruf der WRTC-Station von den involvierten OMs freigehalten wurde. Diese so genannte „self identification“ ist nach den Regeln des WRTC-Wettbewerbs verboten und führt zur sofortigen Disqualifikation. Das hat das Judging Committee bei drei Teams in der Nachprüfung festgestellt und konsequent reagiert.
Ein Team wurde aufgrund von Betrug in Form nicht nachvollziehbarer QSOs/Multiplier im Log disqualifiziert: Es wurden QSOs vorgetäuscht und geloggt. Auf den Audioaufnahmen wurde jedoch kein QSO-Partner identifiziert. Details dazu sind unter [1] veröffentlicht.
Es ist durchaus ernüchternd, dass von den Disqualifikationen leider auch Mitglieder des Bavarian Contest Club betroffen sind. Das ursprünglich auf dem dritten Platz liegende Team EU #6 mit Braco, E77DX und Sven, DJ4MX, die mit dem Call MB1I am Wettbewerb teilnahmen, wurde ebenso disqualifiziert, wie das Team EU #7 (MB5Q) mit Alex, KU1CW, der Team Mate von Andrey, RW7K war. Der Grund der Disqualifikation: Self identification bzw. nicht nachvollziehbare Multiplier.
Bei allem Ärger, der von vielen Seiten über das Verhalten der Disqualifizierten geäußert wurde, möchte ich sehr positiv hervorheben, dass Braco und Sven das Fehlverhalten gegenüber dem Judging Committee sofort eingestanden und sich umgehend öffentlich entschuldigt haben. Auch Mario, DJ2MX, der unter dem Rufzeichen DA0BCC an der Absprache mit MB1I beteiligt war, hat sich für seinen Fehltritt öffentlich entschuldigt. Laut eigenen Angaben war Alex, KU1CW, nicht an den falsch geloggten QSOs von MB5Q beteiligt. Er wurde dennoch disqualifiziert, da es bei der WRTC um das Team geht und nicht um einzelne Operator.
Erwartete Reaktionen der anderen Disqualifizierten stehen auch nach einer Woche immer noch aus. Der Schaden an der Reputation der betroffenen Funkamateure wiegt gewiss genauso schwer wie die Disqualifikation selbst und dürfte nachwirken. Wie zu erfahren war, will der ein oder andere Abstand zum Fehlverhalten gewinnen und bei Contesten kürzertreten.
Als Präsident des Bavarian Contest Club missbillige ich und distanziere mich auch namens des gesamten BCC deutlich von dem Verhalten aller bei der WRTC disqualifizierten Funkamateure und deren Zubringer.
Wie auch immer künftig eine WRTC zu organisieren ist, es wird vermutlich immer wieder Versuche geben, diese durch Betrug zu diskreditieren – eine schlimme Entwicklung, die manches in Frage stellt. Niemand wird bewusste Regelverstöße oder gar betrügerisches Verhalten künftig sicher ausschließen können. Daher werden die Organisatoren künftiger WRTCs neue Mittel und Wege finden müssen, um jede Form des Betruges sicher und schnell -ggf. auch schneller- aufklären zu können.
Wie reagiert der Bavarian Contest Club, welche Konsequenzen werden gezogen?
Wir sind am Ende alle nur Menschen, die auch Fehler machen können. Und im BCC sind wir in einer solch starken Gemeinschaft, die Fehler verzeiht – vorausgesetzt, dass das Einsehen erkennbar ist. Aus dem Grund bleiben Braco, Sven, Mario und Alex weiterhin im BCC – auch vor dem Hintergrund ihrer großen, anerkannten Leistungen für den BCC in der Vergangenheit. Dies ist einhellige Auffassung des Vorstandes der BCC.
Für die Vergabe des Rufzeichens DA0BCC wird nunmehr schriftlich folgendes festgelegt: Wer beim Nutzen des Club-Rufzeichens Contestregeln nicht beachtet, ertappt und disqualifiziert wird, darf davon ausgehen, auf Dauer von der Nutzung des Rufzeichens ausgeschlossen zu sein.
Jede und jeder im BCC ist aufgerufen – und das entspricht auch meiner Erwartungshaltung -, sich an die Spielregeln von Wettbewerben zu halten, seien es die Regeln eines jeden Contests oder der Contester’s Code of Ethics [2]. Auch das entsprechende Kapitel „Ethik“ im BCC-Handbuch [3] darf ich wärmstens als Lektüre ans Herz legen. Ehrlich verdiente Punkte und Platzierungen lassen einen jeden im eigenen Spiegelbild deutlich besser aussehen!
In einer so starken Gemeinschaft wie dem BCC sehe ich trotz aller Schatten der letzten Tage positiv in die Zukunft.
73s Chris DL1MGB
Präsident Bavarian Contest Club
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[1] https://www.wrtc2026.org/wp-content/uploads/2026/09/RescoringSep1A-with-Scoreboard.pdf
[2] https://wwrof.org/contester-code-of-ethics/
[3] https://www.bavarian-contest-club.de/wp-content/uploads/2022/11/bcc_handbuch_4aufl_v1.0.pdf


