HAM RADIO 2026 – Hitzeschlacht in der HAM RADIO Saunalandschaft

Die Friedrichshafener Messetage sind für Aussteller wie Besucher gleichermaßen herausfordernd. Während die Aussteller am Tag vor der Eröffnung mit dem korrekten Aufbau ihres Standes kämpfen, rollen die Messebesucher in mancher Blechlawine aus vielen Teilen Europas sternförmig auf die Messestadt am Bodensee zu. Das ist jedes Jahr so – nichts Neues. So auch in diesem Jahr – nur unter schlimmeren, äußeren Umständen. Nicht etwa die unendlich vielen und langen Baustellen aus den Provinzen Europas fordern die Geduld der leidgezeichneten Wagenlenker heraus. Auch der Gang von den Transportfahrzeugen vieler Aussteller über den Parkplatz zum Ort des Geschehens wurde manchem Kistenschlepper zum Weg der Grausamkeit.

38
Was aber erschwerte Kistenschleppern wie Wagenlenkern das Leben so dermaßen? Die Zahl 38 bringt es auf den Punkt. Bei 38°C im Schatten wird Arbeiten auch für gesunde Menschen herausfordernd. Während in vielen Fahrzeugen die Klimatisierung zeigen musste, was sie kann, kam die Messehalle mit deren Kühlaggregaten an ihre Grenzen – zumindest in der Aufbauphase vor dem ersten Messetag.

Vielfalt der Braukunst im Heumonat
Wie erging es dem Aufbauteam am BCC-Stand angesichts der äußeren Widrigkeiten?
Der Versuch, die Hitze zu ignorieren und als Wetter des (bayerischen) „Heumonats“ zu normalisieren, wollte angesichts nasser T-Shirts nicht so richtig gelingen. Trotzdem hielt das Team tapfer durch. Unter der „Dienstaufsicht“ von Robby, DM6DX haben zugepackt haben: DL7URH, DK6WL, DJ5MW, DK2OY, KC1XX & Leonor, DL1MGB, DO2WW, DL3ABL und DL6MHW. Standchef Robby, DM6DX hatte -wie immer- alles bestens organisiert. Nur die Zulieferungen der Plakettenwände und mehrerer Kisten bayerischer Hopfenkaltschale wollte nicht in Gang kommen. Hätten wir „unseren“ Alex, DL1MAJ nicht, wäre es bei dem Spitzenprodukt sächsischer Braukunst geblieben. Dafür hatte nämlich -wie immer höchst verlässlich- René, DL2JRM gesorgt. Alex wurde dann unser „Erlöser“, als er Freitag die erhoffte, teils ersehnte Vielfalt der Gerstensäfte sicherstellte. Das Getränkearsenal auf Spendenbasis wurde durch „Weich-Getränke“ (neudeutsch „Soft-Drinks“) mit und ohne Gas und Geschmack ergänzt.

Wo sind die Plaketten?
Der für die Plakettenwände vorgesehene Platz konnte nur sehr begrenzt substituiert werden. Dem Erfindungsreichtum gewieften Aufbaupersonals und eines Standchefs, der in Nebenfunktion „Creative-Manager“ ist, wurde die Riesenlücke teilweise verdeckt. Getreu dem Motto „Der Kaplan klebt Pappplakate“ wurden durch die Arbeit mehrerer Hilfskaplane vorsichtshalber mitgebrachte 2018er WRTC-Fotos zu Collagen gestaltet, die den Ansprüchen des MOMA in New York City wohl fast genügt hätten. Auch die Idee, Ritterrüstung vergangener WRTC-Schlachten dem geneigten Publikum zu präsentieren, zeugte von manch heroischer Stunde an Mikrofon, Taste und Zeltgestänge. Noch schnell Haltung annehmen zur Flaggenparade über dem Messestand, die Testsendung des Bayerischen Defiliermarsches angestimmt und um 16.31 Uhr konnte der Donnerstag für lustig erklärt werden – Messestand accomplished ! Der Weg zum Wägelchen wurde zur erneuten, weiteren Tortur. Diese wurde nur durch die Willenskraft überwunden, die sich bei dem Gedanken an eine kühle Dusche im Hotelzimmer Bahn bricht. Das Fahrzeuginnere war kurz davor, die Formgebung zu verlieren und das ringförmige Gebilde vor dem Fahrersitz war fast nur mit hochhitzebeständigen Spezialhandschuhe zu begrabbeln…Da hilft nur eines: „Bitte Lächeln – morgen kommt es schlimmer!“

Cooler Messestand
Der Messefreitag verlief in der Halle und damit am BCC-Stand erfreulicherweise in vieler Hinsicht „cool“. Nicht nur wegen der funktionierenden Klimatisierung. „Cool“ war – wie jedes Jahr- das riesige Interesse am BCC-Stand. Das belegen die zahlreichen Gäste aus dem In- und Ausland. Manche waren auf der Durchreise, wie beispielsweise Jacky ZL3CW und Bernd, VK2IA. Sie bilden wieder einmal ein WRTC-Team und reisten nach den Messetagen gen England, um dort bei der WRTC 2026 erfolgreich mitzumischen. Der Messestand des BCC ist ein guter Platz, um sich mit TOP-Contestern auszutauschen, von ihnen Rat zu bekommen, wenn es um technische oder betriebstechnische Hürden geht. Aber mehr noch als das, vielfach ergeben sich gute Gespräche, bei denen es längst nicht nur um amateurfunkspezifische Themen geht. Jedenfalls ist das Zusammensein am Stand deutlich mehr als nur ein „meet and greet“.
Ohne die TOP-Crew des Messestandpersonals wäre manches nicht so gut gegangen, wie es an jedem Messetag ablief:
Allen voran „unsere“ YL’s DK2YL, DL3ABL und DO2WW. Und auch die Messestand-OM’s griffen zu, halfen und vermittelten, wenn es um Infos und Gesprächspartner sowie die Herausgabe von Fan-Artikeln und Kaltgetränken ging: DF3VM, DF8VO, DJ5AS, DJ5MW, DK1DSA, DK4WW, DL1BUG, DL2OE, DL3YM, DL5CW, DL5LYM, DL8RB, DL8UAT und DM7XX – allesamt unter der Leitung von DM6DX.
Das am Freitag Erlebte gilt in gleicher Weise auch für die weiteren Messetage. Das fröhliche Gedränge am Stand ließ erst am Sonntagmorgen nach. In die Abschiedsstimmung des Sonntagvormittags mischten sich auch wohl hier und da „Gedankenschmerzen“, die wohl zu tiefen Blicken in das Glasinnere manchen Bierkruges am Vorabend geschuldet waren. Aber zum BCC-Dinner später mehr.

Bildergalerie HAM Radio 2026

Contest University
Die Contest University war erneut von Michael, DL6MHW unterstützt von Andrea, DL3ABL organisiert worden. Am Freitag hatte die Veranstaltung mit Tim Duffy, K3LR (Inhaber der wohl schon als legendär zu bezeichnenden K3LR-Conteststation) ein Highlight im Programm. Manchen Fingerzeig für Nachwuchsförderung und Teambuilding gab Tim den Zuhörerinnen und Zuhörern. Wer erkannt hat, wie wichtig es ist, die nächste Generation an Contestern aufzubauen, wird mit Tim’s Präsentation gute Hinweise erhalten haben, wie diese Nachwuchsgewinnung funktionieren kann. In Gesprächen am BCC-Stand konnte das Thema an den folgenden Messetagen vertieft werden. Einen Einblick in den Aufbau seiner Multi-Multi-Station K3LR gab Tim außerdem. Von guten und schlechten Bauteilen berichtete er, als es um den Aspekt Entstörung ging.
Die lockere Abschlussrunde auf dem Podium der Contest University gab manchen Einblick in die Abläufe und Voraussetzungen von Conteststationen die manche als „Big Guns“ bezeichnen. Dabei kam heraus, dass es keineswegs größter Antennen und irrsinnig teurer Funkgeräte und Endstufen zwingend bedarf. Die Motivation und der Spaß am Contesten sind die eigentlichen Punktebringer. Denn nur so ist die Grundlage für weitere Contestteilnahmen gelegt und die Entwicklung eigener Fähigkeiten sowie der Fähigkeiten eines gesamten Teams.

Contestforum
Wichtiger Programmpunkt am Samstag war das von Helmut, DK6WL organisierte Contestforum in der Tiefkühlhalle A2. Wer von 39°C Außentemperatur in die Halle kam, war für jedes arktische Gefühl zunächst dankbar. Jedoch die interessanten, wie spannenden Vorträge sorgten schnell dafür, wieder auf innere Betriebstemperatur zu kommen. Den Einstieg in das Contestforum gestaltete Tim, K3LR. Wie schon am Vortag in der Contest University waren Augen und Ohren auf ihn gerichtet, als er über die World Wide Radio Operator Foundation (WWROF) berichtete. Eine spontane Umfrage im Auditorium zeigte, dass nur wenige Gäste des Contestforums die WWROF kennen. Grund genug für Tim, diese Wissenslücke zu schließen. Die WWROF hat sich der Verbesserung der Fähigkeiten von Funkamateuren auf der ganzen Welt verpflichtet – durch Ausbildung, Wettbewerb, die Förderung technologischer Entwicklungen und wissenschaftlicher Forschung. Gleichzeitig setzt sich die Stiftung für internationale Freundschaft und gegenseitiges Verständnis ein und trägt dazu bei, Funkamateure besser darauf vorzubereiten, der Gesellschaft in Zeiten eines erhöhten Kommunikationsbedarfs zu dienen.
Die World Wide Radio Operators Foundation (WWROF) wurde im Jahr 2009 von einer Gruppe von Funkamateuren gegründet, die den Bedarf an einer unabhängigen Organisation erkannten, die sich gezielt der Förderung der Fähigkeiten und der Kunst des Funkbetriebs widmet. „Wir sind überzeugt, dass Conteste eine hervorragende Möglichkeit bieten, die Fähigkeiten von Funkamateuren unter realistischen Bedingungen zu messen und weiterzuentwickeln. Gleichzeitig können die Veranstalter weltweiter Conteste von der Unterstützung profitieren, die wir ihnen bieten“, sagte Tim in seinem Vortrag. Er stellte dar, wie die Organisation arbeitet und beispielsweise bei der Contestauswertung konkrete Unterstützung bietet, damit die Logs so schnell und präzise wie möglich ausgewertet werden. https://www.wwrof.org/
Über den WAE im Allgemeinen, seine Auswertung und worauf die Auswerter aktuell und künftig besonderen Wert legen, berichtete Peter, DL7YS. Im Zentrum seines Vortrages stand die Auswertung der WAE SSB und WAE CW 2025. Dabei ging es um Teilnehmerzahlen im Vergleich zu Vorjahren und den Erschwernissen durch die Ausbreitungsbedingungen.
Weiteres Highlight war der Vortrag von Emir „Braco“, E77DX / OE1EMS. Er berichtete über den steinigen, strapaziösen Weg zum sensationellen Weltrekord, den er im letzten Jahr beim CQWW SSB als EF8R von Gran Canaria aus aufstellte. Über 11000 QSOs in 48 Stunden als Single Operator führten mit 25 747 775 Punkten zum Weltrekord und Sieg im CQWW SSB 2026. Dem Contest gingen zahlreiche Tage der Vorbereitung und des Instandsetzens der Station EF8R voraus.

BCC-Dinner – hot saturday night fever…
Der Samstagabend stand dann ganz im Zeichen des BCC-Dinners, zu dem sich rund 190 Gäste in der Gaststätte am VfB-Stadion in Friedrichshafen einfanden. Erstmals hatte Andree Schanko, DL8LAS die Organisation in Händen, die er von Luise, DL2MLU übernommen hatte. Zusammen mit seiner YL Anke begrüßte er die Gäste während der Einlasskontrolle. Unterstützt von Anja, DO2WW und flankiert vom BCC-Präsidenten Chris, DL1MGB wurde schon im Eingangsbereich manch fröhliches Wort gewechselt, bevor es nach dem traditionellen „Autogramm“ auf dem BCC-Dinner-Plakat eine Station höher in die nicht textilfreie Saunakammer der VfB-Gaststätte ging. Aufgestellte Ventilatoren sorgten für ein ungefähres Gefühl von gewisser Abkühlung. Kaum einer wird widersprechen, dass die Erleichterung groß gewesen wäre, wenn jeder einen individuellen Propeller gehabt hätte…

Verdunstungskälte – ein „must have“
So blieb manchem Gast nur der Griff zum Fächer, durch den das Wedeln einen Luftstrom zum Erzeugen von Verdunstungskälte auf der freien Epidermis erbringen sollte. Dass jedoch in einem Teil des Raumes -nahe des Rednerpultes- auch noch die ventillosen Heizkörper mit Oberflächentemperaturen von 50°C und ggf. mehr ganz offenbar noch im Winterbetrieb waren, war Erschwernis „at its Best“.
Wie war das am Freitag noch? Lächeln! Morgen kommt es schlimmer….
Änderungen daran konnten nicht realisiert werden – wer hat schon intakte Heizkörperventile im Handtäschchen. So blieb nichts anderes übrig, als im Sahara-Feeling irgendwie für die Dauer des Abendessens auszuharren, um danach fluchtartig den Weg zu einem der begehrten Plätze auf der vorgelagerten Terrasse anzutreten.
Dem Gang zum Buffet ging die Rede unseres Präsidenten Chris, DL1MGB voraus.
Alle erhoben sich hielten einen Moment inne, um auch an unsere Verstorbenen Mitglieder zu denken.

Member of the Year
Chris hatte die Freude, 195 Gäste aus 35 Ländern und 6 Kontinenten zu begrüßen. YL’s und OM‘s hatten teils tausende von Flugkilometer hinter sich gebracht. Die Gäste kamen aus 5B, 5H, 5Z, DL, DU, E7, EA, EI, F, G, HA, HB9, HK, HZ, I, JA, K, LA, LZ, OE, OH, OK, ON, OZ, PA, PY, SM, SP, SV, SV9, UA, UR, K, YU und ZL. Ein herzlicher Applaus galt allen Angereisten aus DX wie auch aus Europa und Deutschland.
Wichtiger Punkt seiner Rede ist es alljährlich, ein BCC-Mitglied in den Mittelpunkt zu stellen: Member of the Year – mit diesem „Titel“ wird jemand hervorgehoben, der oder die sich um den BCC verdient gemacht hat und viele Stunden in die freiwillige, erfolgreiche Arbeit für den Bavarian Contest Club gesteckt hat. Die spannende Rede von Chris kann hier nachgelesen werden und zeigt, warum mit Alex Noll, DL1MAJ, ein langjähriges aktives Mitglied in diesem Jahr Member of the Year wurde. Aus der Hand von Chris nahm Alex die Ehrenplakette unter dem Beifall der Gäste entgegen.

Angesichts der Wärme fand der Berichterstatter dieser Zeilen es richtig, um 21.45 Uhr die Veranstaltung zu verlassen. Wie zu erfahren war, sollen dem Vernehmen nach die letzten Gäste gegen Mitternacht den Ausgang gefunden haben.
Fest steht, das es wieder gute Gespräche gab, Planungen ihren Anfang nahmen und das schwitzige Zusammensein in guter Erinnerung bleiben wird.

Bildergalerie HAM Radio – BCC-Buffet 2026

Sonntag – Schluss mit lustig
Der letzte Messetag, war weniger spektakulär, weil er leider von frühzeitigen Abreisen geprägt ist. Dass das auf die Atmosphäre in der Messehalle Wirkung hat, liegt auf der Hand. Teils schon am Samstagabend abgebaute kleinere Stände gewerblicher Aussteller und Abbausituationen, die Sonntagvormittag stattfinden, lassen den Messebesuch wenig(er) attraktiv erscheinen. Das ist wenig erfreulich – bei allem Verständnis dafür, dass die Messe noch vor dem Hochamt gelesen ist…

Besucherzahlen – Steigerung gegenüber 2025
Auf Nachfrage bei einigen der eher wenigen gewerblichen Händler und Aussteller in der Messehalle ergab insgesamt gute bis hohe Zufriedenheit über das Interesse an Produkten und getätigten Abschlüssen und Verkäufen. Das lässt auf weitere HAM RADIO Messen am Bodensee hoffen. Die bekannt gewordenen Besucherzahlen verzeichnen eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr von rund 1500 Besuchern auf etwa 13500. Dies sind jedoch zunächst inoffizielle Zahlen. Dieses Plus an Besucherzahlen mag im Zusammenhang stehen mit der parallel stattgefundenen Astro-Messe, bei der es um Astronomie und deren technischem Beobachtungsgerät ging. Diese Messe in der benachbarten Messehalle fand nur am Samstag statt.